14.03.-12.04.2026 – Mit FLORALFARBEN zeigt Jürgen Paas eine konzeptuell präzise und zugleich sinnlich erfahrbare Installation, die exemplarisch für eine Kunst steht, die sich zwischen Sprache, Wahrnehmung und Raum entfaltet. Im Glaspavillon des Grugaparks entwickelt die Arbeit im Zusammenspiel von Architektur, Natur und wechselndem Licht eine besondere Dynamik: Farbe erscheint hier nicht als sichtbare Eigenschaft, sondern als Vorstellung – ausgelöst durch Begriffe, Normsysteme und individuelle Assoziationen. Diese Verbindung aus klarer konzeptueller Setzung, partizipativer Qualität und ortsspezifischer Erweiterung macht die Arbeit besonders relevant für Sammler, die sich für nachhaltige, diskursfähige Positionen interessieren. Mit der begleitenden Edition „ROSE“ und dem Katalog eröffnet sich zudem ein konkreter Zugang zu einem Werk, das exemplarisch zeigt, wie sich zeitgenössische Kunst zwischen Idee, Objekt und Erfahrung positioniert – mit entsprechendem Entwicklungspotenzial.
14.03.-12.04.2026, ganztägig von außen zu besichtigen.
Eröffnung: SAMSTAG, 14. MÄRZ 2026, 16–18 UHR
Finissage und Katalog-Release SONNTAG, 12. APRIL 2026, 14-16 UHR.
Ort: Glaspavillon im Grugapark – Glaspavillon auf Google Maps
Wir laden Sie herzlichst ein zur Ausstellungseröffnung am Samstag, 14. März 2026, 16–18 Uhr.
Einführung durch Torsten Obrist, anschließend Artist Talk mit Jürgen Paas. Die Ausstellung läuft bis 12. April 2026 und ist ganztägig von außen zu besichtigen. Finissage im Glaspavillon Samstag, 12. April 2026, 14–16 Uhr. Die Ausstellung findet statt im Glaspavillon des Grugapark Essen.
Ausstellungsreihe in vitro – Kunst im Glaspavillon.
In unserer Reihe zeigen wir mit den „Floralfarben“ von Jürgen Paas erneut eine installative Arbeit, die sich unmittelbar auf die Architektur des außergewöhnlichen Pavillons und die Einbettung in einen botanischen Garten bezieht. Paas präsentiert eine Installation aus 15 signalroten PVC-Leichtblöcken, die mit Farbnamen aus dem genormten RAL Farbsystem beschriftet sind. Die Namen sind der Flora entlehnt und erinnern an die Farbeigenheiten der Pflanzen.
-

Jürgen Paas: Rose
450,00 € – 600,00 € Details Dieses Produkt weist mehrere Varianten auf. Die Optionen können auf der Produktseite gewählt werden
Es ist eine besondere Herausforderung des Glaspavillons im Grugapark, dass er den Phänomenen der Natur so ausgesetzt ist. Durch die Transparenz rundum spielt eben auch das Umgebungslicht und das Wetter eine Rolle bei der Konzeption des Kunstwerkes. Im Idealfall ergibt sich ein spannungsreiches Zusammenspiel aus Natur, Architektur und Kunst.
Und das hat Jürgen Paas mit seinem konzeptuellen Herbarium kongenial umgesetzt. Er präsentiert eine Installation aus 15 signalroten PVC-Leichtblöcken, die mit Farbnamen aus dem genormten RAL Farbsystem beschriftet sind. Paas hat Farbnamen ausgewählt, die nach einer Pflanze benannt sind, also beispielsweise enzianblau oder zitronengelb. Die Farben stehen als Zeichenausdruck ohne Signifikat, die Farbe ist nur benannt und nicht gezeigt. Der Name evoziert aber eine bestimmte Farbe in der Vorstellungskraft der Betrachtenden. Während das RAL-System exakt einen Farbton meint, hat jeder wohl eine leicht andere Idee des jeweiligen Farbtones im Sinn, denn keine Zitrone gleicht der nächsten. Farben sind keineswegs so eindeutig bestimmbar, wie es uns das RAL-System vermitteln möchte. Andersherum funktioniert es schon eher: Wenn in der RAL-Tabelle das Zitronengelb herausgesucht wird, würden wohl die meistensagen, tatsächlich: So sieht eine Zitrone aus. Dahinter steht eben die Idee, einen gemeinsamen Standard für einen Farbton festzulegen, andererseits aber auch, etwas rein visuell Erfahrbares in gesprochene Worte zu übersetzen, was eben nur annäherungsweise möglich ist.
Die poetisch klangvollen Farbnamen entstammen also eigentlich der technischen Sphäre der Industriestandards, was Paas durch die roughen Wagen aus verzinktem Stahl visualisiert. Während ein einzelner Farbblock zu Vorführungszwecken exemplarisch hervorgeholt und in eine Wandklammer eingeschoben wird, sind die restlichen Farben auf den Wagen gestapelt, als ob sie darauf warten, wieder ins Lager an den angestammten Platz zurückgeschoben zu werden.
Tatsächlich sind die Blöcke benutzbar, es sitzt sich angenehm darauf, und sie dürfen auch bewegt werden. Die Floralfarben sind entstanden und erstmals gezeigt worden anläßlich der Landesgartenschau in Bayern 2008, also vor zwanzig Jahren, und schon dort haben sich die Leute die PVC-Blöcke genommen, auf den Rasen gelegt und sich darauf gesetzt. Diese Interaktion war vorausgesehen und beabsichtigt.
Im Grugapark kehrt diese Installation wieder heim, nämlich auf das Gelände einer ehemaligen Gartenschau, der Großen Ruhrländischen Gartenschau, kurz Gruga. Sie erfährt hier ihre Vollendung, indem sie erweitert wurde und quasi der Glaspavillon ein Teil von ihr wird: An der Schwelle von innen nach außen – an den Glasscheiben-, hat Paas rundum Namenszüge von Pflanzen angebracht, teils sehr geläufige, teils weniger bekannte, die aber alle in einem botanischen Garten wie der Gruga zu finden sein könnten. Wie in einem botanischen Archiv, einem Herbarium, sind hier Pflanzen „gesammelt“, im Unterschied zum Herbarium jedoch analog zu den Farbblöcken ohne Signifikat, also ohne jeglichen Beleg oder eine Beschreibung der Pflanzenart. Das Herbarium entsteht rein konzeptuell in der Vorstellung, indem die Betrachtenden sich fragen, wie denn diese oder jene Pflanze aussieht, welche Farbe sie hat und welche Eigenschaften sonst noch. Und je nach Vorwissen werden die Ideen zwischen den Betrachtenden ausgetauscht, diskutiert, und übersetzen in gesprochene Worte übersetzt. Und das ist der Kern der Installation FLORALFARBEN: Es gibt nur sprachliche Annäherungen an das Visuelle, an die Pflanzen, die Farben, an die Kunst. Die nüchterne Sprache der geplotteten Schriften, der Stahlrahmen und der rechtwinkligen Blöcke setzt sich deshalb bewusst in Gegensatz zum organischen Wuchern der namensgebenden Pflanzen und zu der sonst üppigen Vegetation im Umfeld des Pavillons. Durch die bloße Nennung der Pflanzen entsteht organische Vegetation in all ihrer Vielfarbigkeit einzig in der Vorstellungskraft und der Kommunikation der Betrachtenden.
Anläßlich der Ausstellung sind ein Katalog und die Edition „ROSE“ entstanden.


