SIEGFRIED KREITNER – DER BEWEGTE RAUM.
Ausstellungsdauer: 05.09.-11.10.2026, ganztägig von außen zu besichtigen.
Eröffnung: SAMSTAG, 05. SEPTEMBER 2026, 16–18 UHR
Finissage: MONTAG, 12. OKTOBER 2026, 14-16 UHR.
Ort: Glaspavillon im Grugapark – Glaspavillon auf Google Maps
Wir laden Sie herzlichst ein zur Ausstellungseröffnung am Samstag, 05. September 2026, 16–18 Uhr.
Die Ausstellung mit Siegfried Kreitner ist die vorläufig letzte in unserer Reihe in vitro., da der Glaspavillon während der bevorstehenden umfangreichen Baumaßnahmen im Grugapark anderweitig genutzt werden wird. Seit Sommer 2023 haben wir mit zwei installativen Ausstellungen pro Jahr den schönen Glaspavillon bespielt: Im Mittelpunkt der Kunst stand jeweils der Dialog mit der außergewöhnlichen Architektur des Pavillons und der Natur der Parkumgebung. Jede*r beteiligte Kunstschaffende ließ sich dabei von anderen Aspekten leiten, siehe Ausstellungsreihe in vitro. – Kunst im Glaspavillon.
Mit Siegfried Kreitner wird der Pavillon nun von Skulpturen bevölkert, die zugleich technisch und poetisch wirken. Ihre sachliche, industriell anmutende Formensprache steht dabei in einem spannenden Gegensatz zu ihrer geräuschlosen und kaum wahrnehmbaren inneren Bewegung. Eine zurückhaltende, introvertierte Lichtführung verstärkt diesen Eindruck und lässt die Skulpturen beinahe wie eigenständige, lebendige Wesen erscheinen.
Wie die klare Architektur des Pavillons bilden auch Kreitners Skulpturen einen bewussten Gegenpol zum wuchernden Grün der Umgebung. Gleichzeitig greifen sie durch ihr langsames Pulsieren und ihre organischen, häufig kreisförmigen Bewegungen die Formen und Rhythmen der Natur auf. So entsteht ein Wechselspiel zwischen dem Künstlichen und dem Organischen, zwischen technischer Präzision und lebendiger Bewegung. Die Skulpturen wirken dabei nicht wie Fremdkörper in der Landschaft, sondern scheinen auf subtile Weise mit ihrer Umgebung in Beziehung zu treten.
SIEGFRIED KREITNER – Minimalkinetische Skulpturen
In den späten 1990er Jahren besucht Siegfried Kreitner während seines Kunststudiums New York City und ist zutiefst beeindruckt von der pulsierenden Stadt, den Straßenschluchten, Hochhäusern und der aktuellen Kunstszene. Diese Eindrücke prägen ihn nachhaltig – sie inspirieren immer wieder. Zunächst in klassischer Bildhauerei ausgebildet, wendet sich der Künstler seinen neuen Quellen zu und entwickelt seine Werke aus geometrischen Formen und Körpern, wie Kuben und Zylinder und weiteren Motiven aus der Architektur der Megacity. Zugute kommt ihm bei der nun intensiven Beschäftigung mit Metall und Mechanik die Zusammenarbeit mit befreundeten Maschinenbaustudenten. Bis heute befinden sich in seinem Atelier mit Werkstattcharakter eine Drehbank und Fräsen.
Siegfried Kreitner agiert im Bereich konkreter, konstruktiver und kinetischer Kunst und ist der Tradition der Minimal Art der US-Amerikaner Donald Judd und Dan Flavin verbunden sowie den sensiblen und technisch ausgefeilten, beweglichen Arbeiten von George Rickey, die er in New York sah. Die Schwerpunkte jener Künstler vereint er in seinen Werken: Geometrische Form, Licht und Dynamik. Seine eigene Kunst bezeichnet er treffend als minimalkinetisch. Sie entschleunigt die Geschwindigkeit der hypertechnisierten, digitalen Welt durch extrem langsame Bewegungen, die der Betrachter erst beim Verweilen und bei längerem Hinsehen wahrnimmt, was ihn in den Bann ziehen und zur Ruhe kommen lassen soll.
Im reduzierten Ausdruck konzentriert sich der Künstler auf Material, Bewegung, Licht und Farbe und schafft meist etwa zwei Meter hohe, säulenartige Objekte, die allansichtig wie eine figurative Skulptur räumliche Präsenz aufweisen und sie der Betrachter umschreiten kann und soll, um die Minimalkinetik der einzelnen geometrischen Elemente zu entdecken.
Kreitner blickt kritisch auf die von Technik dominierte Welt. Er verzichtet auf High Tech mit Ausnahme von LED, verwendet Acrylglas, Aluminium und Neonröhren und legt Wert auf Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit seiner Kunst. Anfangs gänzlich ohne Farbe gestaltend, akzentuiert der Künstler seit geraumer Zeit bewegliche Bauteile unter anderem aus Acrylglas, eloxiertem Aluminium oder mit Folie bezogener MDF in freiem Kolorit. Angetrieben von Elektromotoren (1-5 U/min) bewegen sich klug abgestimmte, sichtbare Mechaniken – ein behutsames Spiel von klaren Formen, Farben und Licht entsteht.
Text für den Katalog zur Ausstellung „vis à vis“, Essing 2026, von
Barbara Leicht, Kunsthistorikerin und Leiterin Kulturamt der Stadt Neumarkt



