28. August – 3. Oktober 2026.
Eröffnung Freitag 28. August, 19 Uhr.
Die argentinisch-deutsche Künstlerin Marcela Böhm ist der Galerie Obrist seit vielen Jahren eng verbunden. Sie zählt zu den eigenwilligsten und originellsten figurativen Positionen der zeitgenössischen Kunst. Ihre Arbeiten waren vielfach in Ausstellungen zu sehen und haben Eingang in private Sammlungen gefunden. Im September 2026 ist Marcela Böhm zudem prominent in dem Buch MOTHER MADONNA ME vertreten, das im Wienand Verlag, Köln, erscheint:

Im Mittelpunkt der Ausstellung SOBREMESA steht das menschliche Miteinander. Mit analytischem Blick und einer unverwechselbaren, zugleich präzisen und eigenwilligen Bildsprache beobachtet Marcela Böhm Situationen des Zusammenseins. Ihre Motive findet sie häufig dort, wo Menschen in vertrauter Umgebung aufeinandertreffen: auf Familienfeiern, bei Festen, gemeinsamen Mahlzeiten oder anderen gesellschaftlichen Anlässen.
Der Ausstellungstitel SOBREMESA bezeichnet im Spanischen jene besondere Zeit nach dem Essen, in der man noch lange am Tisch sitzen bleibt, sich unterhält, erzählt, diskutiert und das gemeinsame Beisammensein genießt. Wörtlich lässt sich der Begriff mit „über dem Tisch“ übersetzen. Gemeint ist jedoch weit mehr als die Zeit nach einer Mahlzeit: Sobremesa steht für einen Moment, in dem der eigentliche Anlass längst vorbei ist und gerade dadurch Raum für Begegnung entsteht.
Genau diese Zwischenräume interessieren Marcela Böhm. Ihre Figuren erscheinen nicht als isolierte Individuen, sondern als Teil eines sozialen Gefüges. Blicke, Körperhaltungen, Gesten und Abstände zueinander werden zu ebenso wichtigen Elementen wie die Gesichter selbst. Dabei erzählt Böhm keine eindeutigen Geschichten. Vielmehr hält sie Situationen fest, in denen sich Nähe und Distanz, Vertrautheit und Fremdheit, Aufmerksamkeit und Abwesenheit gleichzeitig begegnen können.
SOBREMESA lässt sich deshalb auch als eine Ausstellung über die feinen Regeln des menschlichen Zusammenseins verstehen. Wer sitzt neben wem? Wer spricht, wer hört zu? Wer beobachtet wen? Wer gehört selbstverständlich zur Gruppe und wer bleibt am Rand? In diesen scheinbar beiläufigen Situationen entwickelt Böhm ein präzises Panorama menschlicher Beziehungen.
Besonders interessant ist dabei die Spannung zwischen dem privaten Charakter ihrer Motive und ihrer allgemeinen Lesbarkeit. Eine Familienfeier kann ganz konkret sein und zugleich etwas Universelles enthalten. Jeder kennt diese Situationen: das lange Sitzen nach dem Essen, die Gespräche, die Wiederholungen, die kleinen Spannungen, die vertrauten Gesten und die Momente, in denen jemand gedanklich längst an einem anderen Ort ist.

Marcela Böhm macht aus diesen alltäglichen Situationen keine bloßen Momentaufnahmen. Sie verwandelt sie in sorgfältig komponierte Bilder, in denen das scheinbar Nebensächliche plötzlich Bedeutung gewinnt. Ihre Figuren wirken dabei oft gleichzeitig präsent und entrückt. Gerade diese Ambivalenz verleiht den Arbeiten ihre besondere Spannung.
Marcela Böhm zeigt uns keine idealisierte Welt des Zusammenseins. Ihre Bilder sind genauer. Sie zeigen Gemeinschaft als etwas Lebendiges, Widersprüchliches und manchmal auch Fragiles. Gerade darin liegt ihre besondere Qualität: Im vermeintlich Gewöhnlichen entdeckt sie das Besondere – und im privaten Moment eine allgemeine menschliche Erfahrung.
SOBREMESA ist eine Ausstellung über Menschen, die miteinander am Tisch sitzen. Und über alles, was dabei zwischen ihnen geschieht.

